Brose - Trotz Krise gut aufgestellt
Firmenzentrale in Coburg
Nach drei Quartalen kräftigen Wachstums in allen Geschäftsfeldern sanken allerdings im 4. Quartal 2008 die Kundenabrufe aufgrund der massiv rückläufigen Fahrzeugproduktion weltweit um bis zu 40%.
Die Brose Geschäftsbereiche entwickelten sich unterschiedlich: Während die Verkaufserlöse mit Türsystemen um 9% sanken, erhöhte sich das Geschäft mit Sitzsystemen um 3%, und der Umsatz mit Schließsystemen nahm um 4% zu.
Aufgrund der stark rückläufigen Absatzentwicklung im letzten Quartal 2008 konnte der hohe Beschäftigungsstand von weltweit mehr als 15.000 Mitarbeitern nicht aufrecht erhalten werden: An den Standorten in Europa und Übersee baute Brose mehr als 1.000 Arbeitsplätze ab, indem weniger Leiharbeitskräfte eingesetzt und frei gewordene Stellen nicht nachbesetzt wurden. Außerdem wurden ab Oktober 2008 Schichten reduziert, Zeitkonten und Resturlaub abgebaut und die Betriebsruhe an den weltweiten Standorten über den Jahreswechsel verlängert. So waren am Ende des Jahres 2008 in der Brose Gruppe an 52 Standorten in 21 Ländern rund 14.300 Mitarbeiter beschäftigt.
Zur Senkung von Material-, Personal- und Sachkosten wurden Ende 2008 zahlreiche Maßnahmen ergriffen: So wurden neue Verhandlungen mit Lieferanten wegen der gesunkenen Rohstoffkosten geführt, die Einführung von Kurzarbeit in Produktion und Verwaltung vorbereitet, alle Sachkosten kritisch überprüft und die Investitionen für 2009 auf 100 Mio. Euro reduziert.
Der starke Absatzrückgang zum Jahresende 2008 in Verbindung mit dem harten Preiswettbewerb belastete das Ergebnis merklich: Brose benötigt eine Rendite von 5%, um Selbständigkeit und langfristiges Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren. Dieses Ziel wurde 2008 nicht erreicht.
1. Halbjahr 2009: weiterhin geringer Absatz in allen Geschäftsfeldern
Im Februar 2009 lagen die Verkaufserlöse in den Kerngeschäftsfeldern Tür und Sitz fast 50% unter dem Niveau des Vorjahres. Der neue Geschäftsbereich Motoren verzeichnete ebenfalls eine Halbierung des Umsatzes. Da eine spürbare konjunkturelle Erholung im Jahresverlauf nicht erkennbar ist, erwartet Brose gegenwärtig für das Jahr 2009 einen Gruppenumsatz von maximal 2,5 Mrd. Euro.
Einschnitte unvermeidlich
Zur Anpassung der Beschäftigungssituation wurde im Februar 2009 – zunächst für die Dauer von 6 Monaten - an den Standorten Coburg, Hallstadt, Würzburg, Wuppertal und Berlin Kurzarbeit in Fertigung und Verwaltung eingeführt.
In der Fertigung ist die Arbeitszeitreduzierung von der individuellen Abrufsituation des Werks abhängig. In Geschäftsbereichen und Zentralfunktionen bleiben die Mitarbeiter gegenwärtig an drei Tagen pro Monat zu Hause.
An den ausländischen Standorten, an denen die Einführung von Kurzarbeit nicht möglich ist, begegnet das Unternehmen dem massiven Geschäftsrückgang mit vorübergehender Betriebsruhe, unbezahltem Urlaub oder Freistellungen.
Im März muss das Produktionswerk in Chicago/USA geschlossen werden, weil der Kunde zur Sicherung seiner eigenen Beschäftigung keinen Nachfolgeauftrag für Türsysteme erteilt hat. Die Mitarbeiter, die nicht an andere Brose Standorte in Nordamerika umziehen, unterstützt Brose bei der Stellensuche und gewährt höhere Abfindungen, als gesetzlich vorgeschrieben.
Als weitere strukturelle Anpassungsmaßnahme wird die ehemalige Conti-Entwicklungsgruppe für Kühlerlüfter Anfang April von Nürnberg nach Hallstadt umziehen und die Zentrale Elektrik/Elektronik-Entwicklung verstärken. Dadurch sollen Entwicklungsprojekte künftig noch effizienter und wirtschaftlicher umsetzt werden können.
Langfristige Orientierung und Stabilität bewähren sich in schwierigen Zeiten
Seit der Gründung vor 100 Jahren ist das Familienunternehmen Brose auf langfristiges Wachstum und Stabilität ausgerichtet. Stabilität bedeutet Kontinuität in den Eigentumsverhältnissen und eine Selbstfinanzierung der Unternehmensentwicklung. Dies wurde durch große Kostendisziplin und zurückhaltende Entnahmen der Eigentümer erreicht und führte zu einer sehr guten Eigenkapitalausstattung der Unternehmensgruppe.
Von Michael Stoschek, dem Enkel des Firmengründers Max Brose und Unternehmer des Jahres 2005, stammt der Anspruch: „Wir wollen das innovativste Unternehmen unserer Branche sein hinsichtlich unserer Produkte, unserer Fertigung und Organisation, nur bei den Finanzen wollen wir gerne als traditionell und konservativ gelten“.
Investitionen in die Zukunft
„Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise wird Brose auch 2009 in neue Produkte, Technologien, qualifizierte Führungskräfte und Mitarbeiter investieren. An Sachinvestitionen sind 100 Mio. Euro geplant, unter anderem für die Erweiterung des Testzentrums in Coburg, den Ausbau der Headquarters in Detroit und Shanghai sowie die Erweiterung der Fertigungseinrichtungen für Produktanläufe in den Werken in Europa und Übersee. Zudem wird der Aufbau von Entwicklungs- und Vertriebsfunktionen in Asien und Osteuropa forciert“, so Jürgen Otto, Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose Gruppe.
Auch in schwierigen Zeiten hat Brose das Wohl seiner Mitarbeiter im Blick: So wird zum Beispiel am Standort Würzburg die Kantine für die Beschäftigten vollständig modernisiert.
Die Budgets für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben und für die Qualifizierung der Mitarbeiter werden erneut rund 10% vom Umsatz betragen und damit einen Spitzenplatz im Branchenvergleich einnehmen. Allein für die Personalentwicklung und Nachwuchsqualifizierung wird Brose 2009 mehr als 12 Mio. Euro ausgeben.
Die Ausbildungsquote wird nicht zurückgefahren, sondern erhöht. Zur Zeit werden in Coburg, Hallstadt, Würzburg, Wuppertal, Berlin und Sindelfingen rund 260 Nachwuchskräfte auf ihren Einsatz an unseren Standorten im In- und Ausland vorbereitet.
Insgesamt erwarten Gesellschafter und Geschäftsführung, dass die Brose Gruppe auch aus einer länger anhaltenden Automobilkrise gestärkt hervorgehen wird.
In modernen Lenksystemen hat die Elektrik die Hydraulik verdrängt: Sie ist kostengünstiger, leichter und energieeffizienter. Brose Würzburg ist seit 2008 führender Anbieter von elektrischen Lenkungsmotoren.